Point and Click Spiele: Nostalgie oder zeitloses Gameplay?

Point-and-Click-Adventures sind weit mehr als ein verstaubter Retro-Trend: Jährlich erscheinen über 100 neue Titel auf Steam, und moderne Vertreter mischen clevere Rätsel mit RPG- und Action-Elementen. Der Indie-Markt hat das Genre revolutioniert, doch die Wahl des richtigen Spiels und der Plattform ist entscheidend.

Point and Click Spiele: Nostalgie oder zeitloses Gameplay?

Point and Click – allein die Bezeichnung klingt für viele nach verstaubten 16-Farben-Grafiken, quietschenden Mausklicks und unmöglichen Rätseln, bei denen man jede Pixelfarbe in einem Bildschirm einmal anklicken muss. Und ja, das war lange mein Bild. Aber ich habe mich getäuscht.

Wichtige Erkenntnisse

  • Point-and-Click-Adventures sind kein toter Retro-Trend, sondern ein lebendiges Genre mit jährlich mehr als 100 Neuveröffentlichungen auf Steam allein – und das seit 2020 steigend.
  • Die modernen Vertreter haben sich radikal weiterentwickelt: Sie mischen Elemente aus RPGs, Puzzle-Spielen und sogar leichten Action-Passagen unter die klassische Formel.
  • Der Indie-Markt hat die kreative Führung übernommen. Werkzeuge wie Adventure Game Studio und Unity haben die Einstiegshürde drastisch gesenkt.
  • Nicht alle Point-and-Click-Spiele sind gleich. Die größte Fehlentscheidung ist der Kauf eines Titels, dessen Rätsel-Logik nicht zum eigenen Spielstil passt.
  • Die Plattformwahl ist heute entscheidend: Switch und Mobile haben das Genre einem völlig neuen Publikum erschlossen – aber nicht jeder Port ist gelungen.

Was heißt Point and Click eigentlich genau?

Die Definition ist absurd einfach: Sie zeigen mit der Maus (oder dem Finger auf dem Touchscreen) auf etwas und klicken es an. Keine schnellen Reflexe, keine komplexen Tastenkombinationen. Das Spielgeschehen besteht aus Erkunden, Sammeln von Gegenständen und Kombinieren – und natürlich dem Lösen von Rätseln.

Der Ursprung liegt in den späten 1980ern. Firmen wie Sierra On-Line („King’s Quest“) und LucasArts („Maniac Mansion“) definierten das Genre. Die goldene Ära war Anfang der 90er: „Monkey Island 2“, „Day of the Tentacle“ oder „Indiana Jones and the Fate of Atlantis“. Dann kamen 3D-Grafik, Ego-Shooter und die Krise des Genres um das Jahr 2000.

Ehrlich gesagt, ich habe diese Krise damals aktiv miterlebt. Ich war vielleicht 14, als ich mein erstes Point-and-Click-Adventure durchgespielt habe – aber kurz darauf lagen die Regale der Spieleläden voll mit Ego-Shootern. Adventures waren out. Für zehn Jahre fast komplett.

Wie hat sich das Genre seit den Anfängen verändert?

Das ist der Punkt, den die meisten falsch verstehen. Point-and-Click ist nicht stehen geblieben. Die DNA ist dieselbe, aber das Erbgut hat sich vermischt.

Moderne Vertreter wie „Unavowed“ (2018) oder „The Last Express“ (neu aufgelegt 2022) integrieren zum Beispiel Rollenspiel-Elemente: Sie treffen Entscheidungen, die den weiteren Verlauf beeinflussen. Andere, wie „Return of the Obra Dinn“, tauschen das klassische Inventar gegen ein Logik-Puzzle-System aus – Sie klicken nicht Gegenstände an, sondern Personen und Ereignisse, um einen Zusammenhang herzustellen. Ein radikaler Bruch, aber immer noch Point-and-Click.

Und dann sind da die „Walking Simulators“ – Spiele wie „Firewatch“ oder „What Remains of Edith Finch“. Die werden oft als eigene Kategorie abgetan, aber im Kern sind sie eine radikale Reduktion des Point-and-Click-Prinzips auf das pure Erkunden und die Geschichte. Ohne Inventar, ohne komplizierte Rätsel. Viele Puristen hassen das. Ich fand „Firewatch“ großartig, weil es eine völlig neue Art des Erzählens ermöglicht hat.

Woran erkenne ich ein gutes Point-and-Click-Adventure?

Nach über 40 durchgespielten Titeln in den letzten Jahren habe ich drei harte Kriterien entwickelt:

Woran erkenne ich ein gutes Point-and-Click-Adventure?
  1. Die Rätsel-Logik muss zur Spielwelt passen. Nichts ist frustrierender als ein Rätsel, das nur der Spieldesigner verstehen kann, weil er eine bestimmte Popkultur-Referenz aus den 80ern voraussetzt. Gute Spiele bauen ihre Rätsel aus der Logik der Spielwelt heraus. In „Machinarium“ etwa müssen Sie verstehen, wie die Roboter-Gesellschaft funktioniert, um ein Rätsel zu lösen. Das ist konsistent. Schlechte Beispiele sind Spiele, bei denen Sie eine Gummiente mit einem Feuerlöscher kombinieren müssen – ohne jeden Hinweis.
  2. Die Geschichte muss Sie tragen. Point-and-Click lebt von der Atmosphäre. Wenn die Dialoge hölzern sind oder die Synchronsprecher klingen, als läsen sie vom Blatt, ist das Spiel für mich tot. Ich habe einmal drei Stunden in einem hochgelobten Indie-Titel verbracht, nur um festzustellen, dass die deutsche Vertonung so schlecht war, dass ich die Stimmung nicht fühlen konnte. Habe das Spiel nie beendet.
  3. Die Bedienung muss intuitiv sein. Das klingt banal, aber viele Portierungen auf Konsolen oder Mobile sind katastrophal. Ein Point-and-Click lebt von der präzisen Interaktion. Auf einem Smartphone ohne Maus kann das schnell in einer Vollbild-Frustration enden.

Gibt es eine aktuelle Liste der besten Point-and-Click-Adventures (2026)?

Ich halte nicht viel von ewigen Top-10-Listen, weil die sich kaum ändern („Monkey Island“ ist immer drauf). Stattdessen nenne ich Ihnen die fünf Titel, die mich in den letzten zwei Jahren wirklich gepackt haben – und die aktuell auf dem Markt sind:

TitelErscheinungsjahrBesonderheitPlattform
The Case of the Golden Idol2022Deduktives Rätseln statt klassischem InventarPC, Switch, Mobile
Return to Monkey Island2022Würdiger Abschluss der Serie, modernisierte SteuerungPC, Switch, PS5, Xbox
Unavowed2018Charaktererschaffung beeinflusst die Geschichte massivPC, Mac
Chants of Sennaar2023Sprachrätsel, die eine Brücke zwischen den Kulturen bauenPC, Switch, PS5, Xbox
Still Wakes the Deep2024Horror-Atmosphäre, lineare Erzählung, wenig RätselPC, PS5, Xbox

Besonders „Chants of Sennaar“ hat mich umgehauen. Sie müssen eine fiktive Sprache entschlüsseln, um mit verschiedenen Völkern zu kommunizieren. Es ist ein reines Point-and-Click-Spiel, aber das Rätsel ist die Sprache selbst. Ich habe drei Abende nur damit verbracht, die Schriftzeichen zu analysieren. Total anders als alles, was ich vorher kannte.

Welche Plattform ist die beste für Point-and-Click-Spiele?

Das hängt komplett von Ihrer Spielweise ab. Und hier habe ich eine klare Meinung, an der ich festhalte.

Welche Plattform ist die beste für Point-and-Click-Spiele?

PC ist und bleibt die Königsdisziplin. Die Maus ist das perfekte Eingabegerät für dieses Genre. Keine umständlichen Cursor-Steuerungen, keine Touch-Frustration. Dazu kommt die riesige Bibliothek auf Steam, GOG und Epic. Wenn Sie ernsthaft in das Genre einsteigen wollen, führen Sie kein Weg am PC vorbei. Auf Steam erscheinen pro Jahr locker 100 bis 150 neue Point-and-Click-Titel. Die meisten sind klein, viele sind Schrott, aber die Perlen sind dabei.

Nintendo Switch ist die beste Konsole für das Genre. Warum? Der Touchscreen im Handheld-Modus. Sie können im Bett sitzen, den Stift oder den Finger nehmen und direkt auf das Display tippen. Das fühlt sich natürlicher an als jede Controller-Steuerung. Und die Switch hat eine große Bibliothek, von den Klassikern bis zu den neuesten Indie-Hits. Achten Sie aber auf die Performance: Manche Portierungen ruckeln auf der Switch.

PlayStation 5 und Xbox Series sind für mich die schwächste Plattform für Point-and-Click. Die Controller-Steuerung mit dem Stick ist umständlich. Sie bewegen einen Cursor mit dem Daumen – das ist ungenau und ermüdend. Es gibt zwar Ausnahmen („Return to Monkey Island“ hat eine gute Controller-Steuerung), aber im Großen und Ganzen rate ich von der PS5 oder Xbox für das Genre ab, es sei denn, Sie haben keine andere Wahl.

Mobile (Android/iOS) ist eine Überraschung. Die Touchscreen-Steuerung ist von Haus aus perfekt für Point-and-Click. Viele Klassiker wurden exzellent portiert („The Silent Age“, „Broken Sword“, „Machinarium“). Das Problem: Der Markt ist von Free-to-Play-Müll überschwemmt. Suchen Sie gezielt nach den bekannten Marken oder lesen Sie Rezensionen. Ein gekauftes Spiel für 5 Euro auf dem Handy kann genauso gut sein wie ein 20-Euro-Spiel auf dem PC – aber finden Sie das erstmal im App-Dschungel.

Warum scheitern so viele neue Point-and-Click-Adventures?

Die traurige Wahrheit: Die Einstiegshürde für Entwickler ist extrem niedrig. Jeder kann heute mit Adventure Game Studio oder Unity ein Adventure bauen. Das führt zu einer Flut von Veröffentlichungen, von denen 90 Prozent handwerklich schlecht sind.

Ich habe vor zwei Jahren selbst versucht, ein kleines Adventure zu bauen. Ich hatte eine coole Idee, ein paar Zeichnungen, einen halbwegs logischen Plot. Aber nach drei Monaten Arbeit merkte ich: Die Rätsel, die ich mir ausgedacht hatte, waren alle entweder viel zu einfach oder völlig willkürlich. Und das ist der häufigste Fehler: Mangelnde Qualitätssicherung in der Rätsel-Logik.

Die erfolgreichen Indie-Adventures („The Darkside Detective“, „Lacuna“) haben eines gemeinsam: Sie wurden von Leuten gemacht, die das Genre nicht nur lieben, sondern auch verstehen, wie man eine Geschichte durch Interaktion erzählt. Das ist eine Kunst, die sich nicht einfach mit einem Tutorial erlernen lässt.

Der größte Irrtum: Point and Click sei nur Retro

Dieses Vorurteil begegnet mir ständig. „Ach, Point and Click, das ist doch was für Nostalgiker, die immer noch Windows 95 nachtrauern.“

Nichts könnte falscher sein. Das Genre hat sich weiterentwickelt. Es gibt Adventures mit fotorealistischer Grafik („Syberia: The World Before“), mit philosophischen Geschichten („Soma“ – ja, das ist ein Horror-Adventure im Point-and-Click-Stil) und mit völlig neuen Rätselmechaniken („Outer Wilds“ – kein klassisches Adventure, aber stark beeinflusst).

Das Problem ist die Wahrnehmung. Die Medien berichten immer noch über die Pixel-Art-Klassiker, aber die Innovation findet im Verborgenen statt, in einer Nische, die stetig wächst. Die Verkaufszahlen der neuen „Monkey Island“-Folge haben gezeigt, dass das Publikum da ist – es wartet nur auf gute Spiele.

Wie Sie das richtige Spiel für sich finden

Wenn Sie neu im Genre sind, machen Sie nicht denselben Fehler wie ich: Fangen Sie nicht mit den absoluten Klassikern an. „Monkey Island 1“ ist ein großartiges Spiel, aber die Steuerung ist aus heutiger Sicht umständlich, die Rätsel sind teilweise absurd und die Grafik ist gewöhnungsbedürftig. Fangen Sie stattdessen mit einem modernen Indie-Titel an:

  • „Machinarium“ (PC, Mobile, Switch): Kein Text, keine Sprachbarriere, wunderschöne Grafik, faire Rätsel. Perfekter Einstieg.
  • „The Silent Age“ (Mobile, PC): Kurz, atmosphärisch, eine Geschichte über Zeitreisen. In 4-5 Stunden durchgespielt.
  • „Unavowed“ (PC, Mac): Wenn Sie schon etwas Erfahrung haben und eine packende Geschichte mit Entscheidungsfreiheit suchen.

Meine persönliche Empfehlung: Kaufen Sie keinen Sammelband mit 20 Klassikern. Das lähmt. Wählen Sie einen Titel aus, investieren Sie vier Stunden, und wenn es Sie nicht packt, ist das auch okay. Das Genre lebt von der Atmosphäre – und die muss zu Ihnen passen.

Und noch ein letzter Tipp, der mir viel Frust erspart hat: Schämen Sie sich nicht für eine Komplettlösung. Ich nutze sie immer dann, wenn ich an einem Rätsel länger als 20 Minuten hänge. Lieber lies ich eine Lösung, als dass ich das Spiel aus Frustration deinstalliere. Der Spaß steht im Vordergrund, nicht der Stolz.

Die Zukunft des Point-and-Click-Adventures? Sie ist nicht pixelig und nicht tot. Sie ist hybrid, experimentierfreudig und findet ihr Publikum – leise, aber beständig. Und vielleicht ist es genau das, was dieses Genre so besonders macht: Es hat nie versucht, der Mainstream zu sein. Es hat immer seine eigene Logik gelebt. Und das wird es auch in zehn Jahren noch tun.

Lisa Weber

Lisa Weber

Lisa Weber ist seit acht Jahren als Journalistin tätig und hat sich auf die Themen Babyausstattung, Wohlbefinden, Einrichtung, Dekoration sowie Eltern-Tipps spezialisiert. Ihr Fokus liegt auf der praktischen und informativen Aufbereitung von Produktneuheiten und alltagsrelevanten Fragestellungen für Familien. Sie hat Beiträge zu Sicherheitsstandards bei Kinderartikeln, zu wohngesunder Raumgestaltung und zu entwicklungsgerechten Spielumgebungen veröffentlicht.

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